25 Jahre reif & möller – Pionier der Teleradiologie seit 1999
Wie aus technischer Improvisation ein tragfähiges Versorgungssystem wurde
**Was vor 25 Jahren mit einer Notlösung begann, ist heute ein etablierter Bestandteil der medizinischen Versorgung in Deutschland. reif & möller – Netzwerk für Teleradiologie aus Dillingen im Saarland feiert sein 25-jähriges Bestehen. Das Unternehmen blickt als Pionier der Branche auf eine Geschichte voller Innovation, Widerstände und mutiger Entscheidungen zurück.
„Wir haben angefangen, als noch niemand an sowas wie digitale Bildübertragung geglaubt hat", sagt Dr. Torsten Möller, Geschäftsführer und Wegbereiter der Teleradiologie in Deutschland.**
Von der Videokamera zum DICOM-Standard
Heute erscheint es selbstverständlich – im Jahr 2000 war es revolutionär. Die Idee, radiologische Bilder digital zu übertragen statt auf Film auszudrucken, entstand aus einem praktischen Problem.
„Wir hatten für ein paar Krankenhäuser in der Nähe befundet. Dann kam eine Anfrage von einer Klinik 25 Kilometer entfernt – da konnte man nicht mehr einfach losfahren. Also haben wir uns gefragt: Warum übertragen wir nicht die Bilder zu uns?", erinnert sich Dr. Möller.
Die Lösung war so pragmatisch wie kreativ: Eine Videokamera filmte die Röntgenbilder ab. Die Aufnahmen wurden über ISDN-Leitungen an das Befundungszentrum gesendet. „Die Technik war abenteuerlich, aber sie hat funktioniert – und war schneller als ein Taxi."
Die ersten Monitore standen bei Dr. Möller zu Hause. Die Datenleitungen liefen quer durchs Schlafzimmer. „Meine Frau war natürlich wenig erfreut. Aber so haben wir angefangen – und inzwischen ist Homeoffice ja ein etablierter Arbeitsplatz", schmunzelt Dr. Möller.
Aus der doppelten ISDN-Leitung wurde später der allgemeingültige DICOM-Standard. Datenkapazität und Datenumfang explodierten regelrecht.
Pionierleistung unter Widerstand
Die Anfangsjahre waren von erheblichen Hürden geprägt:
- Skepsis der Kollegen: Viele traditionelle Radiologen lehnten Teleradiologie aus Prinzip ab und zweifelten an der Qualität der Ergebnisse.
- Rechtliche Hürden: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen waren anfangs schwierig, Behörden eher unwillig.
- Fehlende Akzeptanz: Neue Arbeitsmodelle wurden pauschal abgelehnt – trotz klarem medizinischen Nutzen.
„Wir mussten gegen viele Vorbehalte kämpfen. Aber wir haben nie akzeptiert, dass etwas medizinisch Sinnvolles aus Prinzip unterbleiben soll", so Dr. Möller.
Heute ist reif & möller ein Musterbeispiel für funktionierende Teleradiologie – mit 24/7-Service, eigener IT-Infrastruktur und erfahrenen Befundern.
Qualität und Sicherheit als Grundprinzip
Der Anspruch war von Beginn an klar. „Die Teleradiologie darf kein Notbehelf sein. Sie muss dasselbe Niveau bieten wie ein Befund vor Ort", erklärt Dr. Möller. „Wenn nachts um drei etwas nicht funktioniert, brauchen Kliniken keine Hotline – sondern eine Lösung. Sofort."
Um höchste Sicherheit zu garantieren, setzt reif & möller auf mehrere verknüpfte Sicherheitsfaktoren:
- Übertragung im DICOM-Standard auf Basis etablierter Produkte
- Vollständige Blockierung unbefugter Zugriffe auf PACS-Systeme
- Eigene Firewalls an allen Standorten sowie in der Hauptzentrale Dillingen
- Verschlüsselter Datenaustausch über feste VPN-Verbindungen
- 24/7-Monitoring aller Verbindungen
„Mit dieser IT-Infrastruktur erreichen wir Funktionswerte von 99,99 Prozent und damit ein Höchstmaß an Sicherheit. Dies bestätigt auch der TÜV, der unser Netzwerk regelmäßig zertifiziert", so Dr. Möller.
Flexibles Arbeiten als Antwort auf den Fachkräftemangel
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Flexibilität, die Teleradiologie den Radiologen bietet. „Das Homeoffice ist keine Komfortlösung. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihren Beruf mit dem Leben vereinbaren können", sagt Möller.
Dabei betont er: „Wir arbeiten nicht weniger – wir arbeiten klüger."
Von diesen Arbeitsmodellen profitieren alle Beteiligten:
- Krankenhäuser federn den Fachkräftemangel leichter ab.
- Radiologen können Arbeit, Familie und Freizeit besser vereinbaren.
- Die Diagnostik gewinnt langfristig an Qualität, weil Burnout aktiv vermieden wird.
KI als Helfer, nicht als Ersatz
Auch bei künstlicher Intelligenz ist reif & möller Vorreiter. Seit Ende 2022 – nach einer erfolgreichen sechsmonatigen Testphase – setzt das Unternehmen als erstes deutsches Teleradiologienetz KI routinemäßig in der Notfallmedizin ein.
Die KI unterstützt bei der Priorisierung von Befunden. Befunder benötigen dadurch rund fünf Prozent weniger Zeit für Routineaufgaben – und gewinnen mehr Kapazität für Beratung und Forschung. Weitere Untersuchungen sollen die positiven ersten Ergebnisse weiter absichern.
Der Mensch bleibt dabei im Mittelpunkt: „Die KI liefert Hinweise – aber den Befund schreibt der Radiologe. Das ist nicht nur aus Qualitäts-, sondern auch aus Haftungsgründen entscheidend", betont Möller.
Zukunft: Vernetzung und Integration
Zum 25-jährigen Jubiläum bringt reif & möller ein neues Programm auf den Markt. Mit reif & möller Connect soll die Zusammenarbeit zwischen Teleradiologen und Klinikärzten weiter gestärkt werden.
„Ziel ist ein nahtloses Verbundsystem zwischen den Standorten von Krankenhausgruppen. Radiologen der Häuser können besser zusammenarbeiten und sich bei Bedarf mit den Experten unseres Netzwerks austauschen", so Möller.
Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen aktuell an der Einbindung strukturierter Patientendaten und KI-gestützter Entscheidungsmodelle in die integrierte Diagnostik. „Wir lernen jedes Jahr etwas Neues dazu – und wir sind noch lange nicht fertig."
Für jeden die passende Lösung
Trotz aller Innovation verliert reif & möller den praktischen Alltag vieler Kliniken nicht aus dem Blick. Viele Häuser stehen noch immer vor Herausforderungen durch:
- fehlende technische Infrastruktur
- organisatorische Komplexität
- finanzielle Hürden
Deshalb bietet reif & möller modulare Lösungen für jeden Digitalisierungsstand. „Mit unserem Teleradiologie-Modell holen wir die Krankenhäuser da ab, wo sie stehen. Wir knüpfen individuell an bestehende Strukturen an und entwickeln diese gemeinsam weiter. Ob analog oder digital, klein oder groß: Vom Fax bis zur vollständigen HL7-Integration – für jede Einrichtung gibt es die passende Lösung", so Dr. Möller abschließend.